No paint in my food

Unerwünschte Migration: Wenn gesundheitsschädliche Stoffe aus der Verpackung in Nahrungsmittel wandern.

Druckfarbe hat nichts in Lebensmitteln zu suchen.

Umweltfreundlich ist nicht immer auch gesundheitsfreundlich.

Allein eine ökologische Anmutung sorgt noch nicht für hinreichenden Gesundheitsschutz. Diese These bewahrheitet sich leider insbesondere in einem für unser aller Wohlergehen ausgesprochen sensiblen Bereich: bei den Lebensmittelverpackungen. Das machen unterschiedliche Untersuchungen deutlich. Demnach können nämlich von oft wiederverwerteten Verpackungen aus Papier, Karton und Pappe unerwünschte, weil gesundheitsschädliche Stoffe in die darin enthaltenen Nahrungsmittel übergehen. Das soll, so sagen Fachleute, für Recycling-Karton-Verpackungen zutreffen können.

Die meisten Nahrungsmittel werden Verbrauchern im Handel heute verpackt angeboten. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass sich verpackte Ware besser transportieren lässt – übrigens meist auch für den Kunden nach Hause. Zum anderen dienen die Verpackungen dazu, die von ihnen umschlossenen Lebensmittel vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen sowie die Haltbarkeit der Ware zu verbessern. Damit leisten Lebensmittelverpackungen auch einen Beitrag gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln, wenn diese vor vorzeitigem Verfall bewahrt werden. Deshalb sollen ja auch frisch eingekaufte Lebensmittel in entsprechenden geschlossenen Behältnissen aufbewahrt und gelagert – verpackt – werden, um zu verhindern, dass sie von schädlichen Bakterien befallen oder zu schnell ungenießbar werden. So empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, die im Auftrag der Bundesregierung gesundheitliche Risiken für Verbraucher bewertet, zur Aufbewahrung „für den Lebensmittelkontakt geeignete Verpackungen und Gefäße aus nachhaltigem/recyclefähigem Material“ zu verwenden.

Und da stoßen die zwar oft wiederverwerteten Verpackungsmaterialien Papier, Karton und Pappe schnell an ihre Grenzen, wie Wissenschaftler immer wieder betonen. Denn zum einen bilden diese Materialien unbeschichtet keine Barriere gegenüber Feuchtigkeit oder Sauerstoff, wie auch Verbraucherschützer feststellen. Das hat zur Folge, dass solche Verpackungen schnell „aufweichen“, aber insbesondere auch, dass sich in so verpackten Nahrungsmitteln Bakterien und Pilze schneller vermehren können als gewünscht.

Makel bei Recycling

Hinzu kommt erschwerend, was den Verpackungsmaterialien Papier, Karton und Pappe aus Umweltsicht eigentlich zum Vorteil gereichen sollte: Sie werden zunehmend aus Recyclingstoffen hergestellt. Sowohl aus Umwelt- als auch aus Kostengründen werde Papier heute zu über 70 Prozent recycelt, berichten die Verbraucherzentralen. Und 90 Prozent aller Kartonagen werden demnach unter Zusatz von Altpapier produziert. Somit bestehen auch viele Kartons für Lebensmittelverpackungen aus Recyclingpapier. Diese Wiederverwertung von Altpapier ist mit dem Makel behaftet, dass es sich dabei mehrheitlich um bedruckte Erzeugnisse handelt. Damit gelangen auch die Druckfarben wieder in den Papier- bzw. Kartonkreislauf sowie weitere unerwünschte Stoffe wie Kleber und andere Produktionsmittel der Druckindustrie. Sie finden sich über den Recyclinganteil von Papier, Karton und Pappe auch in neuen Lebensmittelverpackungen wieder.

Und aus diesen Verpackungen gehen die unerwünschten, weil gesundheitsschädlichen Substanzen dann in die verpackten Nahrungsmittel über, sie migrieren, wie die Fachleute sagen. Mehr als 250 potenziell migrierende Substanzen seien in Recyclingkartons bereits nachgewiesen worden, beklagt die Verbraucherzentrale. Und ein Forschungsprojekt des Bundesernährungsministeriums (BMEL) wies nach, dass Lebensmittel in Recycling-Kartons am Ende ihres Mindesthaltbarkeitsdatums deutlich mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Weichmachern und Druckfarbenbestandteilen belastet waren. Die in Druckfarben neben Mineralöl enthaltenen Substanzen gelten als gesundheitsgefährdend, zum Teil sogar krebserregend und erbgutschädigend.

Deshalb fordern Verbrauchschützer auch schon länger, dass Konsumenten besser vor den gesundheitlich nachteiligen Wirkungen dieser Stoffe geschützt werden sollten. Auch das BfR meint, es sei „dringend geboten“, die Migration von Mineralöl und anderen Druckfarbenbestandteilen aus Papp- und Kartonverpackungen in Lebensmitteln so weit wie möglich zu beschränken. Zu diesem Zweck veröffentlicht die Behörde entsprechende Grenzwerte. Zudem können die Hersteller von Karton-Packmitteln ihre Verpackungen innen beschichten oder mit Innenbeuteln aus Plastik versehen, um die Diffusion unerwünschter Substanzen in die verpackten Lebensmittel zu verringern. Doch auch solche „Kunstgriffe“ sind mit Nachteilen behaftet, etwa indem sie die Recyclingfähigkeit dieser Verpackungen erschweren.

Sollen also Lebensmittelverpackungen weiter recycliertes Altpapier enthalten dürfen, müssen mineralölhaltige Druckfarben durch gesundheitlich unbedenkliche ersetzt werden, etwa durch solche auf Basis von Pflanzenölen, fordern Verbraucherschützer. Oder man verwendet für Nahrungsmittel gleich Verpackungen, die in dieser Hinsicht unbedenklich sind.

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